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wpid-2013-07-27-13.33.36.jpgWenige Kilometer nach dem Start gilt es einen wenige Meter breiten, aber dennoch reißenden Gebirgsbach zu überqueren. Ich suche eine Stelle mit möglichst vielen großen Steinen, welche das Rüberkommen erleichtern sollen. Ich setzt einem Fuß auf einen großen Stein um mit dem anderen vorsichtig auf den nächsten zu treten. Nicht vorsichtig genug! Auf den teils sehr rutschigen und von Wasser überströmten Steinen verliere ich den halt und stehe plötzlich hüfttief im eisigen Wasser eines Gebirgsbachs. Irgendwie komme ich auf die andere Seite, wo ich eine kurze Pause einlege, meine Hose und Socken auswringe und das Wasser aus meinen Schuhen kippe. Dann geht es weiter, keine Zeit verlieren, vor mir liegt der erste sehr steile Anstieg. Behutsam setzte ich einen Schritt vor den anderen, unter meinen Füßen rutschen vereinzelt lose Steine weg und werden erst im Tal gebremst. Ständig muss ich stehen bleiben um mich zu sammeln. Ich drehe mich um, neben mir ein großes Schneefeld, hinter mir geht es einige hundert Meter in die Tiefe. Ich mache noch viele schweißtreibende Schritte, dann sehe ich den Gipfel vor mir, eine Armee aus hunderten von Steinmännchen besiedelt das Plateau. Ich bin auf dem letzten Stück über 1000 Höhenmeter hinaufgestiegen, von knapp 1700m ist die Aufsicht wirklich atemberaubend. Doch mein Ziel liegt noch einige hundert Meter Luftlinie von mir entfernt, gefühlt zum greifen nah, doch getrennt durch eine 300m tiefe Schlucht. Ich treffe eine Frau, welche mein unfreiwilliges Bad am Anfang beobachtete und mich mit den Worten “Du hier, ich dachte du gibst auf“ begrüßt. Das spornt mich noch mehr an, es umbedingt auf die Spitze schaffen zu wollen. Doch nun geht es hunderte Meter bergab. Erst bei diesem Abstieg merke ich die enorme Belastung welche auf die Knie wirkt, jeder Meter, jeder Schritt ist schmerzhaft.
Unten wartet ein riesiges Schneefeld bevor es auf der anderen Seite direkt wieder alle mühsam abgestiegenen Meter hinauf geht. Mit jedem Schritt werden die Beine schwerer und der Berg steiler. Mal ist es loses Geröll, mal sind es große Steine die das gehen zunehmst erschweren. Ich frage mich bei jedem Meter welchen ich hinauf steige, wie ich diesen wieder heil herunter kommen soll. Pflanzen oder Tiere gibt es hier keine mehr, nur ein paar wenige Krähen ziehen ihre Kreise wie lauernde Geier. Die im Gebirgsbach aufgefüllten Wasserreserven werden bei 25°C schnell weniger, nur der vereinzelt aufkommende Wind ist eine Wohltat für den Körper. Gerade als ich anfange mich zu fragen warum ich diese Qual auf mich nehme und nicht lieber eine erholsames Bad in einem der vielen Seen in Tal genieße, sehe ich eine kleine Holzhütte. Die Toppstugan, so weit kann es nicht mehr sein, das spornt mich erneut an. Bald sehe ich wieder einige Schneefelder, das Gelände wird etwas flacher, aber nicht sonderlich leichter zu überwinden. Nach über fünf Stunden Gehzeit erreiche ich den Fuß des Gletschers, nun wird es frisch, der Wind weht auf dem Plateau zudem besonders stark. Vor mir liegen einige hundert Meter relativ flaches Gelände über Schnee und Eis bevor ich den Fuß der eigentlichen Spitze erreiche. Es geht einige sehr steile Schritte hinauf auf eine dünne, schmale Spitze. Andere Wanderer kommen mir entgegen, auf dem Hosenboden. Es ist so steil das man kaum noch halt auf dem gefrorenem Schnee findet. Endlich oben. Der Kebnekaise Sydtoppen 2104m über dem Meer – knapp 18km, über 4000 Höhenmeter und eine reine Gehzeit von 13 Stunden! Die Aussicht ist fantastisch, alle anderen Gipfel liegen einem zu Füßen. Man steht auf dem höchsten Punkt einer riesigen Gebirgskette, eines ganzen Landes. Dem Himmel so nah. Jetzt weiß ich warum ich diese Qual auf mich genomen habe: für diesen Moment, für dieses Gefühl! Unbeschreiblich!IMG_5374

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